Aus der Predigt unseres Herrn Pfarrer Stano

Sonntagspredigt

Liebe Brüder und Schwestern!

Sieg unseres Herrn Jesus über den Tod ist aber kein Happyend - ein glückliches Ende und - Punkt.

Nein. Es ist mehr eine Aufforderung, dass wir der Schlechtigkeit in der Welt nicht das letzte Wort lassen. Und hier gibt es noch eine Aufforderung. Jesus weckte den ungläubigen und enttäuschten Thomas durch die Berührung seiner Narben auf. Jesus will uns sagen, dass unser Glaube in uns keine Stärkung findet, wenn wir die Narben der Welt nicht wie Narben Christi selbst wahrnehmen. Nur dort, wo wir mit Verständnis und Liebe die Wunden anderer Leute berühren, nur dort und lediglich dort, berühren wir den auferstandenen Jesus selbst.

Das Evangelium über die Auferstehung Christi ist nicht nur eine sentimentale Lesung, wie schön alles vor 2000 Jahren war, sondern eine Lesung über die Liebe, die sich nicht schämt, ihre Narben zu zeigen und die ihre Augen nicht vor den Wunden der Anderen verschließt.

Heute werden viele christliche Filme nach der Wirklichkeit gedreht. Einer, der viel zu tun hat mit den Wunden und mich besonders berührte, spricht über einen schwachen Schüler - Namens Taddy Stalard - und seine Klassenlehrerin Miss Thomson. Sie sagte am Anfang jedes Schuljahres denselben Satz: "Liebe Kinder, ich liebe euch alle gleich, niemand ist ein Favorit, weil ihr alle für mich gleich wichtig seid." Aber sie sagte nicht die ganze Wahrheit.

In der Klasse befand sich ein Bub, also Taddy Stalard, der schwächste Schüler, außerdem auch sehr vernachlässigt, oft schmutzig und zerlumpt. Er hatte in seinen Augen einen ungewöhnlichen leeren Blick.

Ich sage das euch ganz kurz: Die erste Klasse - Taddy bemüht sich, auch wenn es in seiner Familie viele Probleme gibt. Die zweite Klasse - Taddy will lernen, aber er kann nicht, seine Mutter erkrankte sehr schwer. Die dritte Klasse - Taddy wir verschlossen und in diesem Jahr stirbt seine Mutter. Die vierte Klasse - Taddy verhält sich zu den Anderen nicht gut, sein Vater hat kein Interesse an ihm. Und in der fünften Klasse passiert etwas, was seine Lehrerin später motivierte, ein Buch darüber zu schreiben. Am Anfang des Schuljahres, nach dem Brauch, brachten die Schüler und Schülerinnen Geschenke für ihre Klassenlehrerin Frau Thomson. Auch der kleine Taddy schenkte ihr etwas. Aber wie? - eingewickelt in einem zerknüllten Zeitungspapier. Frau Thomson packte es aus und zog ein sehr billiges Parfüm und ein Collier, an dem manche Korallen fehlten, heraus. Die Schulkameraden begannen zu lachen. Frau Thomson, überrascht über dieses ungewöhnliche Geschenk dankte Taddy ziemlich gleichgültig dafür.

Am nächsten Tag legte sie sich, das Collier um und benutzte auch das Parfüm. Nach dem Unterreicht kam der kleine Taddy zu ihr und sagte: "Frau Thomson, ich freue mich so sehr, dieses Collier passt Ihnen genauso wie meiner Mutter und sie duften auch genauso wie sie." Frau Thomson begriff, dass Taddy ihr das Wertvollste geschenkt hatte, was er besaß. Mit Tränen in den Augen ging sie in ihr Zimmer, fiel auf die Knie und bat Gott um Verzeihung, dass sie jenes Geschenk nicht gleich so geachtet sondern dass es ihr eher missfallen hatte. Von diesem Tag an begann sie sich um die ärmsten Kinder zu kümmern und besonders um Taddy. Der Film endet mit der Einladung des schon Erwachsenen Taddy: "Frau Thomson, ich heirate und ich will, dass sie auf dem Platz sitzen, wo meine Mutter sitzen würde, wenn sie noch lebte. Sie sind die Einzige, die ich habe, mein Vater ist nämlich im letzten Jahr gestorben." Und Frau Thomson saß mit Freude auf diesem Ehrenplatz.

Ja, das ist unsere Aufgabe - die Wunden der Anderen durch Empathie und Liebe zu Jesus zu heilen. Gehen wir heute an diesem Sonntag der Barmherzigkeit Gottes näher hin zu seinen Narben und bitten wir: Verzeih uns Jesus, wie oft haben wir in Gedanken den Taddy in andren Leuten ausgelacht und auf diese Weise auch sich selbst. Erbarme dich, dass wir oft die Wunden der Anderen übersehen, dass wir schnell sind, sie zu verurteilen und zu kritisieren, weil wir uns nicht für ihre Vergangenheit interessieren und ihr Leben nicht so gut kennen wollen, wie du es willst. Und wir legen auch unsere eigenen Wunden vor dich hin. Du willst sie nicht größer sondern sinnvoll machen und manche willst du auch allmählich oder gleich heilen.

AMEN