Aus der Predigt unseres Herrn Pfarrer Stano

9. Sonntag im Jahreskreis - Sabat und Hungrige Jünger

 

Die Bibel stammt von Gott. Das wissen wir. Die Überschriften sind aber von Menschen.

Jesus erzählt z.B. ein Gleichnis, das von den Theologen "Das Gleichnis vom verlorenen Sohn" genannt und in die Bibel eingeschrieben wurde. Warum aber nicht: "Das Gleichnis vom guten Vater?" Oder: "Das Gleichnis vom bußfertigen Sohn und seinem neidischen Bruder?" Die Überschriften zwingen uns im Text nur das zu sehen, was die Überschriften sagen. Ich persönlich streiche jene Überschriften weiß an, damit ich frei meditieren kann. Das heutige Evangelium hat die Überschrift "Der Menschensohn ist Herr auch über den Sabbat." Ich gebe aber zum heutigen Evangelium meine eigene Überschrift: "Jesus und seine hungrigen Jünger", damit ich eine Frage stellen kann, und zwar - Wenn ein Christ mit Jesus das ganze Leben lebt, muss es ihm immer gut gehen?

Ein Gefangener um seines Glaubens willen im 20. Jahrhundert, fragte Jesus: "Du hast gesagt, dass unser himmlischer Vater die Sonne und den Regen auch den guten wie den auch bösen Leuten schenkt. Wenn ich gut bin, warum habe ich schon viele Monate im Gefängnis die Sonne nicht gesehen und die Tropfen des Regens auf meiner trockenen Haut nicht gespürt? Wenn ich böse bin, du hast es doch auch den bösen Menschen versprochen... Wie eine Antwort hörte jener Märtyrer die Worte in seinem Herzen: "Du bist weder gut noch böse, du bist etwas mehr, du bist Kind Gottes, und wie ein Kind des ewigen Lichtes sollst du selbst die Sonne und das Wasser für andere Gefangenen sein." Jener Märtyrer nahm dieses Wort von Jesus an, und bei seinen Predigten fand eine große Menge seiner Kameraden im Gefängnis den Glauben an Gott.

Ein anderer Missionar David Brainerd aus Deutschland starb schon mit 29 Jahren zu Beginn des 18. Jahrhunderts, nachdem er große Nöte als Missionar bei den Indianern durchgemacht hatte.

In seinem Tagebuch berichtet er von seinem Kampf: "Ich liege auf einem Bündel Stroh, meine Arbeit ist hart und außerordentlich schwierig, und ich habe wenig sichtbaren Erfolg, um mich damit zu trösten. Meine Nahrung sind oft nur Wasser, Früchte und sogar auch manche dicken Raupen, weil ich dringend Eiweiß brauche."

An einem 20. August schrieb er: "Nachdem ich die ganze Nacht in kaltem Schweiß lag, habe ich heute Morgen viel Blut gehustet."

Am 22. August: "In der Nacht lag ich im Freien unter Bäumen, schwach, hungrig, aber trotzdem dankbar meinem Erlöser für alles in meinem vielleicht bald endenden Leben."

Er hinterließ einige wertvolle Gedanken. Den schönsten finde ich diesen: "Es lohnt sich, Gott nachzufolgen durch tausend persönliche Fallen, durch Wüsten und selbst durch den Tod."

Ja, wir müssen aber nicht versuchen, ein heroisches Christenleben zu führen. Es ist ebenso wirkungslos, zu versuchen, ein Held zu sein, wie es wirkungslos ist, zu versuchen, ein Elefant zu sein. Sehr wenige haben den Stoff, aus dem große Heilige und Märtyrer gemacht sind. Was können wir aber alle tun? Ich, auch du? - Immer jeden Tag hören wir schlechte Nachrichten aus der ganzen Welt. Und wir haben Angst, was alles auf unser Land noch zukommt. Wir sprechen darüber in der Arbeit, beim Wein mit Nachbarn im Garten, oder mit der Ehefrau beim Fernseher.

Ein Hirt sagte zur Nachtigall: "Sing!" Die Nachtigall antwortete: "Die Frösche machen zu viel Lärm. Das nimmt dem Singen das Vergnügen. Hörst du sie nicht?" Der Hirt sagte: "Natürlich höre ich sie, aber ich höre sie nur, weil du still bist." Und die Nachtigall begann so schön zu singen, das auch die Frösche zuhörten und vergaßen zu quaken.

So ist das auch mit uns. Vielleicht haben wir nicht alles, vielleicht haben wir ab und zu Angst, oder es geht uns selbst nicht immer gut. Es ist natürlich. Das haben auch die Jünger Christi erlebt, sogar öfter als wir es uns vorstellen können. Aber wir sollen wie Kinder des ewigen Lichtes für andere das Lied der Hoffnung und des Glaubens singen. Wo finden wir dafür die Kraft? Es ist keine Phrase - nur und nur in seinem Wort und im Gebet und vielleicht beim Hinhören auf tiefgläubige Menschen können wir diese Kraft finden.

AMEN.